1.12.08

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Ich komme auf ein altes Postthema zurück und veröffentliche mein momentanes Desktophintergrundbild (was für ein schreckliches Wort...).

Marke Magnum

Der Schock des Anschlages auf die Zwillingstürme des New Yorker World Trade Center vom 11. September 2001 blieb uns in Bildern erhalten. Es waren aber nicht Fotografien, sondern die in Echtzeit übertragenen und immer wiederkehrenden Videoaufnahmen, die das Grauen protokollierten und sich so in unser Gedächtnis einbrannten. Fotografien haben längst vorher die Macht der Visualisierung an die bewegten Bildern abgegeben. Heute sind Internet und Fernsehen die starken Kontrahenten der klassischen Fotoreportagen. Dessen ungeachtet konnte die Fotoagentur Magnum von «Nine Eleven» profitieren. Der Zufall wollte es, dass Magnum zur Zeit des Anschlages just ein jährliches Treffen ihrer Fotografen hielt. So waren jene Fotografen „zur richtigen Zeit am richtigen Ort“, um Capas Credo „if you want to do sad stories, you have to get nearer to the news“ zu realisieren und um Magnums Legende am Leben zu erhalten. Die Legende um die Fotoagentur Magnum zehrt am Mythos ihrer Gründerväter. Fragen der Rentabilität und Diversifikation sind die ausschlaggebenden Elemente eines (Weiter-)Überlebens der Agentur. Gleichwohl schafft es die Agentur diese säkularen Fragen in den Hintergrund zu rücken und in direktem Rückgriff auf die Gründungszeit, ihren überragenden Symbolwert zu verteidigen. Als Helden und Abenteurer zugleich berichteten die ersten Magnumfotografen dem staunenden Publikum von anderen Kontinenten und Kulturen, von Krieg und Frieden. Der hohe moralische Anspruch, den diese Pioniere ihrer Arbeit gegenüber vertreten haben sollen, solle auch die Arbeit der gegenwärtigen Fotografen
leiten. Dass dieser abstrakt anmutende Anspruch bereits zu Beginn nicht immer
leitend gewesen sein kann, muss im Zusammenhang der (Selbst-)Stilisierung der
Gründungszeit geprüft werden.
Die Idee einer genossenschaftlich organisierten Fotoagentur kommt im Wesentlichen von
Robert Capa. Capa wird 1938 auf der Titelseite der britischen «Picture Post» mit dem Status des „Greatest War Photographer in the World“ geadelt. Darüber zeigt das Blatt sein Portrait in Seitengrösse. Diese Titelseite und die Veröffentlichung seiner im Spanischen Bürgerkrieg geschossenen Bilder von Kämpfen am Fluss Segre verhelfen einerseits dem noch jungen Fotografiemagazin, sich auf dem Zeitschriftenmarkt Gehör zu verschaffen, aber andererseits auch Capas Berühmtheit anzufachen. Bei der Gründung der Agentur Magnum 1947 ist Capas Renommee als weltbester Kriegsfotograf zementiert und wird auch von niemandem angezweifelt.
Vor allem im Zusammenhang der 60-Jahre-Feier der Agentur 2007 wurde eine derartige
Leseart der Anfangszeit von Magnum in der Medienwelt bedenkenlos rezykliert. Diese Auffassung verfolgt ein heroisiertes Bild eines mutigen und männlichen Kriegsfotografen, wobei dem weiblichen Geschlecht keinen bedeutsamen Platz eingeräumt wird. Dass das Capa-Portrait des «Picture Post»-Titelblattes von einer Frau, nämlich Capas damaligen Lebensgefährtin Gerta Taro, stammt und dass von den sieben Gründungsmitgliedern zwei Frauen waren, bleibt in den eng gekoppelten Mythen um den Fotografen Robert Capa und der Fotoagentur Magnum aussen vor. Den Künstlernamen Robert Capa legt sich der noch junge Fotograf auf Anraten von Gerta Taro, auch ein Pseudonym, zu. Er erhofft sich mehr Aufträge als mit dem bürgerlichen Namen Endre Ernö Friedmann. Erkennbar tauchen die Namen der Frauen in der eigenen Magnum-Geschichtsschreibung nur zweitrangig auf. So liessen sich auch die Namen der Fotografinnen, die als vollwertige Mitglieder bei Magnum aufgenommen wurden, bis vor kurzem an nur einer Hand abzählen.

Tatsächlich entsteht Magnum zu einem bewegten Zeitpunkt. Analog zur Rolle in der Kunst
verliert Paris nach dem Krieg auch in der gesellschaftlichen Bedeutung den Stellenwert, den es während der letzten Jahrzehnte innehatte. Die Nachkriegszeit ist eine Amerikanische. So kommt es nicht von ungefähr, dass Magnum 1947 gerade in New York gegründet wird. Immerhin wird ein Büro in der alten Welt geführt. Der in Paris ansässige Zweig der Agentur wird von Maria Eisner geführt, die bereits Capas Bilder aus dem Spanischen Bürgerkrieg vertrieben hatte. Auch der New Yorker Standort wird in den unternehmerischen Belangen anfänglich von einer Frau, Rita Vandivert, geführt. Amerika, speziell New York, blüht als neues kulturelles Zentrum der Welt auf und läuft damit dem Paris der Moderne den Rang ab.
Wenn heute Eric Hobsbawm von einem unweigerlich bald bevorstehenden „Ende des ameri-
kanischen Jahrhunderts“ ausgeht, bleibt dies wage. Anschaulich dagegen, dass der Beginn dieses so genannten „amerikanischen Jahrhunderts“ mit der Magnum-Gründung zusammenfällt. In „quasi-kolonialistischer“ Manier teilen sich die Magnumfotografen die Weltkugel untereinander auf. Magnums Ziel war es global zu wirken, um von überall einschlägige Fotoreportagen zu liefern. Diese Vorstellung von Freiheit täuscht. Die politische Konsolidierung der Siegermächte des Krieges in zwei Lager mit unterschiedlich gearteter Ideologie und der sich damit abzeichnende kalte Krieg lässt Magnums globale Vorhaben schwieriger werden.
In politischer, wie aber auch in ökonomischer Hinsicht, unter anderem bedingt durch den schwindenden Absatz am Zeitschriftenmarkt, besteht für die Agentur Druck, dem nur mit Kompromissen zu begegnen war. Heute tauchen im Selbstbild Magnums damalige gutbe-
zahlte Werbeaufträge industrieller Unternehmen – fast wie als Tabus behandelt – eher dezent auf. Bemüht werden neue Vertriebswege oder Formate. Und so ist „die älteste Strategie in dieser Hinsicht […] zugleich bis heute eine der erfolgreichsten.“ Fotobände sind für Magnum finanziell erfolgreich und künstlerisch wertvoll zugleich. Der Fotoband in Buchform ermöglicht es den Fotografen, ihre Bilder mit grosser gestalterischer Freiheit zu veröffentlichen und dabei die persönliche Wahrnehmung der Dinge darzulegen.
Bereits zwei Monate nach «Nine Eleven» veröffentlicht Magnum einen Fotoband in teils essayistischer Form über die New Yorker Ereignisse vom 11. September. Mit diesem bleibt die Agentur finanziell auf Kurs. Magnums Mythos strahlt fort.

14.9.07

Zofingen Zentral II

Schon sehr, sehr bald poste ich ein Bild, das zeigt, wie es an dieser Stelle jetzt aussieht.

9.6.07

Zofingen Zentral


Ist schon dem Abriss geweiht. Ich finde diesen Ort genial zentral, um etwa eine Art Kulturzentrum aufzuziehen. Aber nach dem dort Jahre lang "nur" eine Tankstelle stand, wird wohl auch nur ein weiteres, ähnlich interessantes Gebäude realisiert. So werden Chancen vertan.

18.4.07

Kultur frisst mich auf


Zur Zeit hat mich eine Belastung befallen, die mir zu schaffen macht, was ja Belastungen so an sich haben. Nicht dass ich daraus automatische kulturpessimistische Gedanken spinne. Doch es gibt mir teilweise zu denken, inwieweit ich wirklich ein Schreiberling bin, qualitativ und quantitativ.